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Niemand will den Euro kaufen

John Doyle ist Stratege bei dem Währungshändler Tempus Consulting und sprach aus, was uns die Statistiken zum Euro aus Mitte Mai zeigen: "Niemand will den Euro kaufen." Damit formuliert er die wirtschaftliche Tatsache, die man eigentlich mit einem Rettungspaket von 750 Milliarden Euro zu verhindern suchte. Die Finanzinvestoren blicken auf die Europäische Union und glauben nicht mehr daran, dass sich die Gemeinschaftswährung noch fangen kann. "Die Anleger schauten sich die Details der Nothilfen an und waren nicht überzeugt. Ihre Sorgen bleiben bestehen." fügte John Doyle hinzu.

In diesem Kontext meldete sich auch Dean Maki in einem Researchbericht zu Wort. Er arbeitet bei Barclays Capital und erklärt die Unsicherheitt, die viele Investoren bei dem Umgang mit dem Euro verspüren:"Die Nothilfen der EU, des Internationalen Währungsfonds und der EZB addressieren die Liquiditätsprobleme von Staaten und Banken. Weniger überzeugend ist das Paket hinsichtlich der Zahlungsausfallrisiken."

Mitte Mai gab der Euro um mehrere Prozent nach gegenüber dem US-Dollar und sank damit am Abend des 14. Auf 1,2354 Dollar. Das entspricht den tiefsten Stand seit Oktober 2008. Damals lag es an Kapitalabzug aus Europa, die den Euro abrutschen ließen.

An den Terminmärkten verzeichnete der Euro in der Woche zum 11. Mai 113.890 Kontrakte und kletterte somit in den Netto-Verkaufspositionen. Auch damit wurde ein neuer Rekord aufgestellt. Im wesentlichen lässt sich aus den Netto-Verkaufpositionen ablesen, wie groß der Überhang bei den Verkäufern ausfällt.

Kontrolliert wird die Terminbörsen in den USA von der Commodity Futures Trading Commission, welche diese Statistiken veröffentlichte. Die Zahlen, die von der CFTC veröffentlicht werden, werden von den Marktteilnehmer analysiert und in Prognosen zu anstehenden Veränderungen auf dem Markt umgesetzt. Dazu veröffentlichte die CFTC auch den Bericht "Commitment of Traders", die Daten zu Rohstoffen und Währungen enthalten. Daraus kann man Aufschlüsse darüber ziehen, wie die Investoren wetten werden; ob mehr auf fallende oder auf steigende Preise setzen.

Was also tun? Die Europäische Union, die Europäische Zentralbank und der Internatinale Währungsfonds gehen gemeinsam gegen die Krise vor, aber die Finanzmärkte bleiben skeptisch. Dean Maki kommentiert: "Schlüssel zum Erfolg ist, ob die Regierungen mit der Haushaltskonsolidierung vorankommen. Darauf konzentriert sich der Markt. Er achtet auf die Umsetzung der Einsparungen."

Das Vertrauen der Finanzwelt muss also durch konkretes Handeln der Regierung wieder gewonnen werden, um den Euro stärken zu können.

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