|
Investoren lassen die “heiße Kartoffel” fallen
Für Griechenland hat die EU eine indirekte Garantie ausgesprochen. Der Euro wird jedoch weiterhin von den Investoren abgestraft. Heute müssen die Euro Finanzminister nachlegen und auch die Weichen für die EZB-Nachfolge stellen.
Der Kapitalmarkt wettet trotz der impliziten Staatsgarantie für Griechenland auf einen Euro Verfall. Währungsstrategen sagen, die Gemeinschaftswährung bleibe die heiße Kartoffel. Die seltsame handhabe durch die EU und die Haushaltsdefizite der Euro-Peripherie haben den Euro fest im Griff. Es wäre auch ein Rutsch unter die Marke von 1,35 $ denkbar, sollten US-Konjukturdaten in dieser Woche besser ausfallen als erwartet. Er notierte am Montag bei 1,3607 $, nachdem er zeitweise bei 1,3579 $ gehandelt worden war.
Seit längerem ist das hohe Haushaltsdefizit Griechenlands – der Fehlbetrag lag 2009 bei 12,7 Prozent des Bruttoinlandspordukts – im Anleihen- und Devisenhandel das beherrschende Thema.
Die EU-Staaten hatten vergangene Woche mitgeteilt, das sie sich vorerst auf politische Hilfe für Griechenland beschränken wollen, andere Optionen sollen jedoch offen gehalten werden.
Auf direkte Geldtransfers der EU-Partnerländer verzichtet die Regierung Athens nach offizieller Darstellung der Europäischen Union. Die Euro-Finanzminsiter kommen am Montagabend zusammen.
Die Euro Gruppe muss aus Sicht der Investoren unter der Leitung von Jean Claude Juncker eine mögliche Hilfe für Griechenland konkretisieren. "Die Marktakteure warten auf eine Art Fahrplan. Sie wollen wissen, wie in Krisenzeiten grundsätzlich vorgegangen wird", so Stuart Thomson, Fondsmanager beim Vermögensverwalter Ignis Asset Management. "Erforderlich ist die bedingungslose Unterstützung der EU-Kernländer, im Notfall die Finanzierungslöcher Griechenlands zu stopfen."
Mehrere Formen kann Unterstützung für Griechenland annehmen. Direkte Darlehen - entweder bilateral oder durch die Gemeinschaft – sind neben Kreditgarantien denkbar. Die Einführung europäischer Anleihen ist zudem langfritsig denkbar. Das Marktpotenzial liegt nach Expertenschätzugnen bei 4000 Mrd. $, um den amerikanischen Treasuries Konkurrenz machen zu können, ist das groß genug. An US-Staatsanleihen stehen momentan 7300 Mrd $ aus. "Erneut erhofft sich der Markt konkretere Einzelheiten zu einem möglichen Bailout in Griechenland. Wir rechnen allerdings nicht damit, dass wirklich klar wird, wie den Hellenen im Ernstfall geholfen werden könnte. Die Unsicherheit darüber dürfte den Euro damit auch in dieser Woche weiter belasten", so die Währungsstrategen.
Die Euro-Skepsis ist an den Terminmärkten ablesbar. Die Dollar Kaufpositionen weiteten sich nach den neuesten Daten der Commodity Futures Trading Commission weiter aus, während die Euro-Verkaufspositionen den höchsten Stand seit Einführung der Gemeinschaftswährung erreicht haben.
"Es gibt keinen Hinweis darauf, dass der Markt seine kritische Einstellung gegenüber dem Euro hinterfragt", sagte Währungsstratege Gareth Berry. "Weil es wohl keine Details zu den Griechenland-Hilfen geben wird, werden die Euro-Nettoverkaufspositionen zulegen."
2010-07 2010-6 2010-5 2010-4 2010-3 2010-2
2010-1 2009-12 2009-11 2009-10 2009-9 2009-8 2009-7
2009-6 2009-5 |
|